Sektoren und Branchen | Sectors

Anteile der Sektoren an der Wohnbevölkerung 1910 | Shares of the sectors in the resident population in 1910

Sektoren und Branchen | Sectors

Anteile der Sektoren and der Wohnbevölkerung 1910 | Shares of the sectors in the resident population in 1910

Sektoren und Branchen

Anteile der Sektoren an der Wohnbevölkerung 1910

 

Sectors

Shares of the sectors in the resident population in 1910

Die Zuordnung der Bevölkerung zu Sektoren und Branchen ist nicht einfach, obwohl eigentlich viel Material vorliegt. Erhoben wurden diese Dinge in der Berufsstatistik der Volkszählungen. Die Probleme liegen in folgenden Punkten:

  • Österreich, Ungarn und Bosnien-Herzegowina teilten die Berufe nicht in gleicher Weise ein. Teilweise kann man das Schema vereinheitlichen. So rechneten die österreichischen Statistiken die Hausdienerschaft jeweils zur Branche ihrer Arbeitgeber. Ein bei einem Baumeister angestelltes Dienstmädchen gehörte demnach zum Baugewerbe, das Dienstmädchen eines Richters zum öffentlichen Dienst. Diese Einteilung wurde hier korrigiert, und das gesamte Hauspersonal ist im Dienstleistungssektor. Nicht auflösbar war beispielsweise die Zusammenfassung der Getränkeindustrie (die zur Nahrungs- und Genußmittelindustrie gehört) mit der Gastronomie und Hotellerie (die eine eigene Branche ist) in der bosnisch-herzegowinischen Zählung 1910, gleich wie auch in den österreichischen Zählungen von 1890 und 1900. Die Gastronomie wird in der Folge zum sekundären Sektor gerechnet. Zur besseren Vergleichbarkeit wurde diese an sich nicht sehr sinnvolle Einteilung beibehalten.
  • Es gibt überall eine Zuordnung der gesamten Bevölkerung, das heißt der Berufstätigen und ihrer Angehörigen. Diese Ergebnisse sind in den Karten hier dargestellt. Eine gleichartige Darstellung der Berufstätigen (das heißt ohne ihren Angehörigen) scheitert hingegen an der mangelhaften Klassifikation in Ungarn und Bosnien-Herzegowina. In Ungarn und Bosnien-Herzegowina klassifizierte man viele Personen, die in Wirklichkeit einen Beruf ausübten, als beruflose Angehörige eines Berufstätigen. Insgesamt wären demnach in diesen Gebieten 55—65 Prozent der Bevölkerung beruflose Angehörige gewesen (in Österreich wären es 35—45 Prozent). Dies betrifft besonders auch die Landwirtschaft, bei weitem der größte Sektor in diesen Gebieten. Viele der angeblichen Angehörigen waren mindestens mithelfende Familienangehörige, zum Teil wohl auch Selbständige. Das Ergebnis ist eine Untererfassung insbesondere der berufstätigen Frauen. Selbstverständlich waren auch in Ungarn und Bosnien-Herzegowina Frauen ab dem Jugendalter im allgemeinen berufstätig.  
  • Der Mischerwerb ist in diesen Zählungen unzureichend erfaßt. Mischerwerb passierte in verschiedenen Formen, sei es in kontinuierlicher Tätigkeit in zwei oder mehr Berufen (zum Beispiel Landwirt, Müller und Bäcker oder Landwirt, Fleischhauer und Gastwirt), sei es in saisonalem Wechsel (zum Beispiel Schneidergehilfe im Winter, Erntearbeiter im Sommer). Der Mischerwerb wurde zwar erhoben, die Angaben sind offensichtlich unvollständig. Daten dazu findet man auch in der Landwirtschaftlichen Betriebszählung.
  • Manche Personen arbeiteten in ständig wechselnden Gelegenheitsarbeiten (zum Beispiel in der Landwirtschaft, in unqualifizierten gewerblichen Tätigkeiten oder im Fuhrgewerbe) und können von vornherein keinem Sektor vorrangig zugeordnet werden. Die österreichischen Zählungen gehen darüber hinweg, während in Ungarn diese Personen von vornherein einer eigenen Kategorie abseits der Sektoren zugeordnet wurden.
  • Eine sektorale Einteilung kann entweder auf Basis der faktischen Tätigkeit oder auf Basis der Branchenzugehörigkeit des Arbeitgebers erfolgen. Zum Beispiel kann ein Maurer in einer Papierfabrik oder einer Brauerei beschäftigt sein. Klassifiziert man der faktischen Tätigkeit nach, wird er zum Baugewerbe gerechnet. Andernfalls gehört er zur Papierindustrie oder zur Nahrungs- und Genußmittelindustrie. Die österreichischen Volkszählungen klassifizierten prinzipiell nach der faktischen Tätigkeit, wichen aber insbesondere beim Büropersonal davon ab. Ein Büroangesteller in einer Brauerei gehört in diesem Schema daher zur Nahrungsmittelindustrie, ein Büroangestellter in einer Metallfabrik bei ansonsten gleichartiger Tätigkeit gehört zur Metallindustrie.

Classifying the population into sectors and industries is no easy task, even though a great deal of data is actually available. This information was recorded in the occupational statistics of the censuses. The problems lie in the following points:

  • Austria, Hungary and Bosnia-Herzegovina did not classify occupations in the same way. In some cases, the classification can be standardised. For instance, Austrian statistics classified domestic staff under the sector of their employers. A maid employed by a builder was therefore classified under the construction industry, whilst a judge’s maid was classified like a civil servant. This classification has been corrected here, and all domestic staff are now included in the service sector. However, it was not possible, for example, to separate the grouping of the beverage industry (which belongs to the food and beverage industry) with the catering and hotel industry (which is a separate industry) in the 1910 Bosnia and Herzegovina census, just as in the Austrian censuses of 1890 and 1900. The catering industry is consequently classified as part of the secondary sector. For the sake of better comparability, this classification, which is not particularly meaningful in itself, has been retained.
  • The entire population, that is, the working population and their dependants, has been categorised across the board. These results are shown on the maps here. However, a corresponding presentation of the working population (i.e. excluding their dependants) is not possible due to inadequate classification in Hungary and Bosnia and Herzegovina. In Hungary and Bosnia and Herzegovina, many people who were in fact in employment were classified as unemployed dependants of an employed person. Overall, this would mean that 55—65 per cent of the population in these areas would have been unemployed dependants (in Austria, the figure would be 35—45 per cent). This applies in particular to agriculture, by far the largest sector in these areas. Many of the so-called dependants were at least assisting family members, and in some cases probably also self-employed. The result is an under-recording of working women in particular. Naturally, in Hungary and Bosnia-Herzegovina, like in Austria, women from adolescence onwards were generally in work.  
  • Mixed employment is inadequately recorded in these censuses. Mixed employment took various forms, whether as continuous work in two or more occupations (for example, farmer, miller and baker, or farmer, butcher and innkeeper), or as seasonal work (for example, tailor’s assistant in winter, harvest worker in summer). Although this was recorded, the point was evidently not considered important, and the data is clearly incomplete. Additional data can be found in the Agricultural Census.

  • Some people worked in constantly changing casual jobs (for example, in agriculture, unskilled industrial work and the haulage trade) and cannot, from the outset, be primarily assigned to any sector. The Austrian censuses overlook this, whereas in Hungary these people were assigned from the outset to a separate category outside the sectors.
  • A sectoral classification can be based on the actual work performed, or on the employer's industry. For example, a bricklayer may be employed in a paper mill or a brewery. If classified according to the actual work performed, he is counted as part of the construction industry. Otherwise, he belongs to the paper industry or the food and beverage industry. Austrian censuses generally classified occupations according to the actual work performed, but partly deviated from this principle, particularly in the case of office staff. An office clerk in a brewery therefore belongs to the food industry, whereas an office clerk in a metalworks with otherwise similar duties belongs to the metal industry.

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