Sabine Felgenhauer
Die Rezension meiner Habilitationsschrift Die materielle Kultur des Mittelalters im Licht der archäologischen Funde läßt eine merkbar mangelhafte Auseinandersetzung des Rezensenten mit Methoden und Möglichkeiten der Archäologie erkennen.
Das deutlich formulierte Ziel meiner Arbeit war es, die mit archäologischen Methoden gewonnenen Quellen zur Sachkunde des Mittelalters so darzustellen, daß sie auch für andere historische Disziplinen verwertbar werden. Dieser interdisziplinäre Anspruch soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die archäologische Realie (der Fund) primär mit archäologischen Methoden bearbeitet werden muß. Denn der Archäologe gräbt nicht nur aus, sondern muß ein sehr fachspezifisches Instrumentarium dazu verwenden, das gewonnene Fundmaterial als historische Quelle verwertbar zu machen. Darin zeigt sich zumindest im Verfahren der große Unterschied zur Arbeit mit schriftlichen Quellen. Die doch sehr große Zahl archäologischer Realien wird in der Regel in mehr oder weniger umfangreichen, weit verstreuten Katalogen ediert. Auf diese »Materialvorlagen« muß zurückgegriffen werden, wenn es gilt, spezielle Einzelfragen zu behandeln. Korrekterweise ist bei der Heranziehung eines Fundes die Edition zu zitieren. Deshalb mutet, um auf eine sehr abschätzige Formulierung des Rezensenten einzugehen, der Vorwurf, ich hätte bei der Erstellung einer Verbreitungskarte »eine Kompilation aus acht Publikationen« verbrochen, äußerst merkwürdig an. Ich glaube nicht, daß der Rezensent einem z. B. ein Itinerar zusammenstellenden Historiker verübeln würde, wenn er dazu edierte Quellen angibt. Hier wäre vielleicht doch ein kurzes Nachdenken angebracht gewesen, bevor man so flott formuliert.
Ein weiterer Vorwurf betrifft die additiv-aufzählende Darstellungsweise in meiner Arbeit, die natürlich auch von meiner archäologischen Tradition herrührt und auf die zu verzichten ich keinen Weg sehe, wenn ich real vorhandene Gegenstände in ihrer sich im Laufe der Zeit ändernden Gestalt im Rahmen einer einem historischen Raster verpflichteten Darstellung präsentieren möchte. Verschiedene Wiederholungen in Kapitel II und IV rühren daher, daß ich bei der Vorstellung der einzelnen Rohstoffe in Kapitel II, die das Verständnis des Historikers für die archäologische Arbeitsweise öffnen sollte, vereinzelt Ergebnisse des Hauptkapitels IV in bestimmter Akzentuierung vorwegnehmen mußte. Das Kapitel "Wohnen" ist übrigens keineswegs repräsentativ für die gesamte Arbeit, wie der Rezensent meint. Es sollte nur eine kurze Übersicht über die von der Archäologie erarbeiteten Befunde dazu bringen, um das durch die Funde (s. Titel) angesprochene Umfeld menschlichen Lebens im Mittelalter etwas abzurunden.
Natürlich mußte ich im Hinblick auf das gestellte Ziel auf eigene und fremde Ergebnisse (vor allem auf viele Materialvorlagen) zurückgreifen. Daß dabei neben einigen für eine bestimmte Frage brauchbaren »abgekupferten« Verbreitungskarten auch Neues eingebracht wurde, wird vielleicht nur der mit der Materie Vertraute beurteilen können. Daß die mit grundsätzlich archäologischen Verfahren und mit Bemühen um interdisziplinäre Ergänzung erstellte Arbeit in ihrer Gesamtheit (also in Zielsetzung, Verfahren und Darstellung) in diesem Fachbereich doch etwas Neues darstellt und auch dem Historiker nützlich sein kann, hat, auch bei Beurteilung meiner gesamten bisherigen Arbeiten, wohl zu ihrer Annahme geführt.