Gesundheit | Health

Diphtherie | Diphtheria

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Diphtherie | Diphtheria

Im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde die Diphtherie zur wichtigsten Kinderkrankheit. Unter »Kinderkrankheiten« sind Infektionskrankheiten zu verstehen, an denen überwiegend Kinder erkrankten, auch wenn Krankheitsfälle von Erwachsenen vorkamen. Die hinsichtlich der Sterblichkeit wichtigsten Kinderkrankheiten waren die Pocken, die Diphtherie, die Masern, der Scharlach und der Keuchhusten. Andere für die Kindersterblichkeit wichtige Krankheiten, vor allem Infektionskrankheiten des Magen-Darm-Trakts, forderten auch unter Erwachsenen zahlreiche Menschenleben.

Bis Ende des 18. Jahrhunderts waren die Pocken die wichtigste Kinderkrankheit. Sie waren eine Viruserkrankung, die als endemische Krankheit für ungefähr 8 Prozent sämtlicher Todesfälle und für ungefähr ein Viertel der Kindersterbefälle verantwortlich war, im Fall von Epidemien für noch viel mehr. Die Schutzimpfung gegen Pocken, publiziert in England von Edward Jenner 1798, wurde auf dem europäischen Kontinent schnell aufgenommen, zuerst in Österreich 1802. Sie führte zu einer Reduktion der Pockensterblichkeit auf einen Bruchteil und infolge einer Optimierung des Impfregimes nach 1870 zu einem weitgehenden Verschwinden dieser Krankheit in großen Teilen Europas. In Österreich war die Krankheit seit etwa 1900 ganz bedeutungslos. Seit 1980 sind die Pocken weltweit ausgerottet, eine Impfung erübrigt sich daher. Im Hinblick auf die demographischen Auswirkungen, gerechnet in Lebensjahren von Menschen, war die Pockenimpfung einer der größten Erfolge der Medizin überhaupt.

Mit dem Rückgang der Pockensterblichkeit verblieb die Diphtherie als nun gefährlichste Kinderkrankheit. In Österreich starben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etwa 3,5 Prozent aller Kinder an Diphtherie, bei großen zeitlichen und räumlichen Schwankungen. Die Diphtherie ist eine bakterielle Erkrankung, die besonders vom zweiten bis fünften Lebensjahr gefährlich ist. In diesem Alter tritt sie vor allem als Kehlkopfdiphtherie auf, die durch Anschwellungen im Kehlkopfbereich zum Ersticken führen kann. Darüber hinaus kann das vom Diphtheriebakterium produzierte Gift eine ganze Reihe von Organen schädigen.

Eine Schutzimpfung gegen Diphtherie gibt es seit der Zwischenkriegszeit. Bereits davor gab es aber die Möglichkeit der Behandlung einer ausgebrochenen Diphtherieerkrankung. Diese seit 1894 verfügbare Therapie, erfunden von Emil Behring, bestand in der Verabreichung von Immunglobulinen im Weg der sogenannten »Serumtheraphie«. Der etwas mißverständliche Name kommt vom äußeren Ablauf der Produktion und Verabreichung:

  • Man infizierte Pferde mit Diphtherieerregern.
  • Die Pferde erkrankten nicht an Diphtherie, produzierten aber Antikörper gegen das Diphtherietoxin, die im Blut zirkulierten.
  • Man entnahm den Tieren Blut, dem man durch Zentrifugieren die Zellen entzog.
  • Die zellfreie Flüssigkeit, das Serum, enthielt die Antikörper.
  • Diese Antikörper wurden durch Injektion des Serums den erkrankten Kindern verabreicht.

Die molekularen Grundlagen waren zu dieser Zeit noch nicht bekannt. Behring erkannte aber, daß infizierte Tiere etwas hervorbrachten, was gegen das Diphtherietoxin wirkte und im Blut zirkulierte. Mit der Optimierung des Verfahrens steigerte man den Antikörpertiter im Blut der Pferde auf ein ausreichend hohes Niveau. Bei prompter Behandlung war Behrings Mittel überaus effektiv.

Die Produktion des Mittels erfolgte sogleich in industriellem Maßstab, und binnen weniger Jahre wurde diese Behandlung zum Standard. Die Karten zeigen den Rückgang der Diphtheriesterbefälle in Österreich zwischen 1881 und 1913 (das Jahr 1895 ist nicht dokumentiert). Die Zahl der Sterbefälle ist auf die Zahl der Geburten desselben Jahres bezogen, die ungefähr die Größe der empfänglichen Population angibt. Man sieht, daß ab Mitte der neunziger Jahre die Raten der Diphtheriesterbefälle im allgemeinen stark zurückgehen, auch wenn es lokal immer wieder einzelne Ausbrüche gab. Auch die offensichtlich benachteiligten Gebiete stehen am Schluß gut da.

Die Karten werden als Video gezeigt, es ist aber jederzeit möglich, den Ablauf zu unterbrechen und einzelne Jahre genauer anzusehen.

During the 19th century, diphtheria became the most significant childhood disease. The term »childhood diseases« refers to infectious diseases that predominantly affected children, even though cases also occurred among adults. The most significant childhood diseases in terms of mortality were smallpox, diphtheria, measles, scarlet fever and whooping cough. Other diseases significant for child mortality, particularly infectious diseases of the gastrointestinal tract, also claimed numerous lives among adults.

Until the end of the 18th century, smallpox was the most significant childhood disease. It was a viral disease which, as an endemic illness, was responsible for approximately 8 per cent of all deaths and for about a quarter of child deaths; in the event of epidemics, the figure was much higher. The smallpox vaccination, published in England by Edward Jenner in 1798, was quickly adopted on the European continent, first in Austria in 1802. It led to a reduction in smallpox mortality to a fraction of its previous level and, following an optimisation of the vaccination regime after 1870, to the virtual disappearance of the disease across large parts of Europe. In Austria, the disease was virtually non-existent since around 1900. Smallpox has been eradicated worldwide since 1980, so vaccination is no longer necessary. In terms of its demographic impact, measured in terms of years of human life saved, the smallpox vaccine was one of the greatest achievements in the history of medicine.

With the decline in smallpox mortality, diphtheria became the most dangerous childhood disease. In Austria, in the second half of the 19th century, around 3.5 per cent of all children died of diphtheria, with significant variations over time and across regions. Diphtheria is a bacterial disease that is particularly dangerous between the ages of two and five. At this age, it mainly occurs as laryngeal diphtheria, which can lead to suffocation due to swelling in the larynx. Furthermore, the toxin produced by the diphtheria bacterium can damage a whole range of organs.

A vaccine against diphtheria has been available since the interwar period. Even before that, however, it was possible to treat cases of diphtheria once the disease had broken out. This treatment, invented by Emil Behring and available since 1894, involved the administration of immunoglobulins via what is known as »serum therapy«. The somewhat misleading name derives from the external process of production and administration:

  • Horses were infected with diphtheria pathogens.
  • The horses did not contract diphtheria, but produced antibodies against the diphtheria toxin, which circulated in their blood.
  • Blood was drawn from the animals, and the cells were removed by centrifugation.
  • The cell-free fluid, the serum, contained the antibodies.
  • These antibodies were administered to the sick children by injecting the serum.

The molecular basis was not yet understood at that time. Behring, however, realised that infected animals produced something that counteracted the diphtheria toxin and circulated in the blood. By refining the process, the antibody titre in the horses’ blood was raised to a sufficiently high level. When administered promptly, Behring’s remedy proved extremely effective.

Production of the remedy began immediately on an industrial scale, and within a few years this treatment became the standard. The maps show the decline in diphtheria deaths in Austria between 1881 and 1913 (the year 1895 is not documented). The number of deaths is relative to the number of births in the same year, which roughly indicates the size of the susceptible population. It can be seen that from the mid-1890s onwards, diphtheria mortality rates generally fell sharply, even though there were repeated localised outbreaks. Even the apparently disadvantaged areas fare well in the end.

The maps are displayed as a video, but it is possible to pause the sequence at any time to examine individual years in more detail.

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